Ulrich Schacht liest aus seinem Roman „Vereister Sommer“
     
Etwa 80 Interessierte hatten sich am 10. November in der Aula des Clemens-Winkler-Gymnasiums eingefunden, um Ulrich Schachts literarische Suche nach seinem russischen Vater zu erleben. Und dem Schriftsteller gelang es tatsächlich, seine Gäste über eine Stunde mit einem Roman in seinen Bann zu ziehen, der eine besondere Biografie spiegelt und zugleich die konfliktreiche Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts berührt.
1999 fand Ulrich Schacht tatsächlich seinen Vater in einem kleinen Dorf östlich von Moskau. Sein Gang der letzten 200 Meter auf der Dorfstraße vor dem Zusammentreffen mit ihm am Gartentor bilden den erzählerischen Mittelpunkt und zugleich den Ausgangspunkt für Reflexionen auf die zurückliegenden 48 Jahre, von seiner Geburt hinter den Mauern des Hohenecker Frauengefängnisses, die Verurteilung der Mutter, der Trennung vom Vater oder seine immer stärker werdende Distanz zur DDR.
Interesse erntete der heute in Schweden lebende Autor auch mit seinen persönlichen Sichten auf unsere heutige Zeit: So philosophierte er über vergängliches Glück und das „Recht des Menschen auf Ruhe“ in einer immer hektischeren und materialisierten Welt.

Matthias Nebel