Zeitgeschichte aus erster Hand - Siegbert Schefke am Auer Gymnasium
     
Mit seinem Freund Adam Radomski filmte er heimlich die Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 und spielte das Filmmaterial unter Gefährdung seiner persönlichen Freiheit der ARD zu. Seine Bilder mit den Menschenmassen, die im Chor „Wir sind das Volk“ riefen, gingen im Oktober 1989 um die Welt. Diese Filmaufnahmen gehören inzwischen zu den wertvollsten Dokumenten der Zeitgeschichte.
Dienstag, 21. September 2010 - die Aula des Clemens-Winkler-Gymnasiums ist gut gefüllt. Spannung lag im Raum, als Siegbert Schefke um 18:30 Uhr seinen Vortrag begann, der sehr schnell zu einem Dialog mit dem Publikum wurde. Er folgte keinem festen Redeschema, sondern berichtete angeregt durch die Fragen der Zuhörer über sein Leben in der DDR, seine intensive Überwachung durch das MfS und die geheimen Pfade, auf denen er sich mit Gleichgesinnten dem Zugriff entzog.
Er untermauerte seine Ausführungen mit Fotos zur Umweltzerstörung in der DDR und Auszügen aus dem selbst gedrehten Streifen zur Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989. „Mit diesem Tag“ - so der heute beim MDR tätige Redakteur, „war der Zusammenbruch der DDR nicht mehr aufzuhalten“.
Seine Eindrücke vom ersten Gang über die Bornholmer Brücke in Berlin im Zuge der Grenzöffnung machten auch den vielen anwesenden Schülern das Glücksgefühl der Deutschen aus dieser Zeit nachvollziehbar.

Matthias Nebel